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GESCHICHTLICHE SPURENSUCHE

Winzer, Händler und Industrielle Revolution

Ab dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts entwickelte sich auch im Kremser Raum professioneller Weinhandel. Man erkannte die Notwendigkeit, sich seine Kundschaft auch im weiteren Umkreis zu suchen.

Anlässlich einer Industrie-Ausstellung in London 1862 wurden die Weine der Kremser Gemeinschaftpräsentation mit einer Medaille bezüglich ihrer Haltbarkeit und Billigkeit ausgezeichnet. Beteiligt waren die Familien Brandl, Czank, Czermak, Dinstl, Hietzgern, Krammer, Krippl, Lagler, Moshammer und Thalhofer. Große weinbaupolitische Verdienste hat sich auch der Kremser Franz von Wertheim erworben, der die Gründung der Klosterneuburger (1859), wie später auch der Kremser Weinbauschule (1875) maßgeblich vorantrieb. Die wichtigste weinbaurelevante Erfindung gelang aber im vorigen Jahrhundert einem anderen Kremser: Der Zeugschmid Johann Keusch erfand Mitte des 19. Jahrhunderts die Rebschere, eine Kombination aus gekrümmten Rebmesser mit einer Gartenschere.

Von der Hauerinnung zur Genossenschaft

Das Ende des letzten Jahrhunderts gestaltete sich für die Winzerschaft wirtschaftlich aus vielen Gründen nicht unproblematisch und so starteten die Kremser Hauer bereits 1902 den Versuch, sich in einer Winzergenossenschaft zu organisieren. Diese überlebte aber nur ein Erntejahr. Erst 1938 gelang die dauernde Einrichtung der Kremser Genossenschaft, die heute ihre Weine als „Winzer Krems“ vermarktet.

Der letzte große Wandel

Das 20. Jahrhundert brachte für den Weinbau im Kremser Raum tiefgreifende Veränderungen mit sich. Nach der Reblauskatastrophe begann sich das Sortenbild in den Weingärten zu wandeln, reinsortige Weingärten lösten die gemischten Kulturen ab. Die Flächen verringerten sich stufenweise, die landesweit übliche Stockkultur wurde auf die leichter zu bearbeitende Hochkultur mit breiten Fahrgassen umgestellt. Eine Generation gut ausgebildeter Kellermeister setzte in den fünfziger und sechziger Jahren auch eine erste Modernisierungswelle in der Technik um, der Wein aus Krems war gefragt, der Handel florierte. Man konnte nun auch wieder Mengen produzieren und diese absetzen.

Mitte der achtziger Jahre markierte der sogenannte „Weinskandal“ einen neuerlichen Wendepunkt und ein radikales Umdenken von Masse zur Klasse setzte ein. Junge Önologen mit fundierter Ausbildung und Auslandserfahrung konnten auf eine Jahrhunderte alte Weintradition zurückgreifen und entwickelten einen modernen, klar regionalen Weintypus. Bald zählte das Kremstal wieder zu den besten Weißweinzonen Österreichs.

 

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