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Geschichtliche Spurensuche: Kriege und der Wein

Die Türkenkriege und die damit verbundenen Heereslierferungen wirken sich positiv auf das Weingeschäft aus. Die Stadt blüht auf, die Bürger profitieren, erwerben verstärkt Weingärten und bauen schöne Barockhäuser, es ist die Zeit des Wirkens eines „Kremser Schmidt“. Nach dieser Erholung bis ins späte Barockzeitalter, wo immerhin noch ein Drittel der Gesamtbevölkerung direkt vom Weinbau lebt, sinkt die wirtschaftliche Bedeutung des Weinbaues ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in der auch ein Großteil der Kirchengüter säkularisiert (1782-1786) wird, bis zum neunzehnten Jahrhundert weiter ab. Maria Theresias Kriege haben fatale Auswirkungen auf den Weinhandel. 1760 kann die Stadt Krems keinen Wein verkaufen, 1772 konnten von den vorrätigen 858 hl nur 76 hl abgesetzt werden. Um den Überschuss zu verwerten, wird die Erzeugung von Senf, Weinessig und Kremser Weiß stärker vorangetrieben, auch wurde in großem Stil Schnaps gebrannt. Der Senf wurde aus Traubenmost hergestellt, ein Verfahren, das in Rechnungsbüchern von Stift Göttweig schon am Ende des 15. Jahrhunderts verzeichnet ist. In Stein wird in jener Zeit eine Bleiweißfabrik errichtet, die unter Verwendung von Weinessig das „Kremser Weiß“ produzierte, sogar „Cognac“ wurde hergestellt.

Propst Dr. Kerschbaumer, Verfasser der „Geschichte der Stadt Krems“, sieht im Jahre 1885, also noch bevor die Reblaus auch in den Kremser Rieden Einzug hielt, zahlreiche Gründe für den Niedergang. Weder Klimaveränderung noch unsachgemäße Betreuung der Reben sind für den Exportrückgang verantwortlich, sondern die harten Zollbeschränkungen. Bei einem Kaufpreis von 10 Gulden schlugen sich zusätzlich 14 Gulden Zoll zu Buche. Das System der Donauschifffahrt mit Wein als Flussauffracht nach Bayern und Getreide, Fässer, Holz und Weinstecken als Gegenfracht wurden durch den Zoll an der deutschen Grenze zum Erliegen gebracht. Auch die neue Eisenbahn über Linz schadete dem ehrwürdigen Schiffshandel. Der Kremser Wein sah sich nun zwei mächtigen Konkurrenten gegenüber. 1850 wurde die Zollschranke gegenüber dem ungarischen Wein aufgegeben und so trank man den günstigen und auch qualitativ überlegenen Ungarwein und verwendete ihn gern zum Mischen mit säuerlichen heimischen Produkten. Ein weiterer ungewohnter Gegner wurde, trotz relativ hohen Preisen, das Bier, das immer weiter Platz Griff.

Allerdings dürfte auch die mäßige Qualität des Kremser Weines mit ein Grund gewesen sein - der Heurige war vermutlich von hoher Säure gekennzeichnet. 1673 bezeichnet eine in Wien gedruckte Schrift (Landkompass) den Kremser Wein als mittleres Gewächs. Man empfahl eine längere Lagerung vor dem „Genuss“, wobei vier bis sechs Jahre Minimum als die Regel galt. Vom Ruf der Jungweine gibt uns ein Ersuchen der Kremser Dominikanermönche von 1708 an den Stadtrat eine Idee, die darum baten, ausländischen Wein einführen zu dürfen, weil: „der viertige Wein (Heuriger) von den noch zarten und jungen Novizen ohne Verletzung ihrer Gesundheit nicht getrunken werden kann.“

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