Headerbild - Weinbaugebiet
Seite 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8

Geschichtliche Spurensuche: Winzer, Händler und Industrielle Revolution

In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts liegt der Weinhandel eher in den Händen von Negotianten. Zwar handelten schon in früheren Zeiten Handwerker und Bürger mit Wein, sodass sich die Städte schon 1549 über die „Hanndtierungen des Weinkaufs“ durch Handwerksleut, die keine eigenen Weingärten besaßen, beschwerten. Dieses Nebengewerbe erhielt sich in dieser Form bis knapp vor die Jahrhundertwende, denn ab 1895 wurde dezidiert ein Gewerbeschein gefordert. Ab dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts entwickelte sich auch im Kremser Raum professioneller Weinhandel. Man erkannte die Notwendigkeit, sich seine Kundschaft auch im weiteren Umkreis zu suchen. 1794 wurde das Weinnegotiantengeschäft von Ferdinand Dinstl, eines reichen Feuersbrunner Bauern und des Müllers Josef Springer im aufgelassenen Dominikanerkloster von Krems gegründet. Dinstls Sohn, der Notar Dr. Ferdinand Dinstl , erwarb sich große Verdienste um die Förderung des Kremser Weinbaues, wurde 1848 ins Frankfurter Reichsparlament und zwei Jahre später zum Kremser Bürgermeister gewählt. 1828 hatte die Familie Dinstl die Besitzungen des Salzburger Erzbischofs und 1830 des Stiftes Tegernsee in Loiben erworben. Die beiden uralten Domainen wurden als „Dinstlgut“ 100 Jahre lang, bis 1930, von drei Generationen der Familie ausgezeichnet verwaltet. Danach entwickelte sich daraus die „Winzergenossenschaft Loiben“. Dr. Dinstl und später sein Sohn haben sich als Abgeordnete für die Hebung der Weinkultur eingesetzt, politisch gegen die Weinsteuern und Zölle gewirkt und in Böhmen und Mähren nicht nur für die eigenen Weine neue Märkte erschlossen. Von den 1835 in Krems und Stein existierenden sieben Großweinhändlern hatte Dinstl in seinen Kellern beachtliche dreieinhalbtausend Hektoliter Wein eingelagert. Die Weinhandlung im Dominikanerkloster übernahm mit Ignaz Kaiser ein angeheirateter Verwandter. Nach ihm ist heute noch der „Kaiserhof“ benannt, durch den man das „WEINSTADT.museum“ im Dominikanerkloster betritt.

Anlässlich einer Industrie-Ausstellung in London 1862 wurden die Weine der Kremser Gemeinschaftpräsentation mit einer Medaille bezüglich ihrer Haltbarkeit und Billigkeit ausgezeichnet. Beteiligt waren die Familien Brandl, Czank, Czermak, Dinstl, Hietzgern, Krammer, Krippl, Lagler, Moshammer und Thalhofer. Große weinbaupolitische Verdienste hat sich auch der Kremser Franz von Wertheim erworben, der heute für die Erfindung der feuerfesten Kassenschränke besser in Erinnerung ist und sowohl die Gründung der Klosterneuburger (1859), wie später auch der Kremser Weinbauschule (1875) maßgeblich vorantrieb. Die wichtigste weinbaurelevante Erfindung gelang aber im vorigen Jahrhundert einem anderen Kremser: Der Zeugschmid Johann Keusch erfand Mitte des 19. Jahrhunderts die Rebschere, eine Kombination aus gekrümmten Rebmesser mit einer Gartenschere. Der Erfolg dieses Gerätes war so groß, dass Keusch im Jahre 1852 bereits 10.000 Stück davon herstellte und weltweit exportierte. Als der Krieg von 1866 zahlreichen Soldaten einen Arm kostet, produzierte Keusch eine Messer-Gabel-Kombination für Einarmige und zwar für Rechts- wie Linksamputierte.

Seite 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8
Alle Veranstaltungen 2009