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Sauvignon Blanc: Die dritt Kraft im Kremstal
Sauvignon Blanc ist, mit einigem Abstand hinter Grüner Veltliner und Riesling, die drittwichtigste Weißweinsorte im Kremstal. Text: Kristina Hametner (wein.pur 05/2007)
Im Spätwinter eines jeden Jahres, wenn die jungen Weine noch in den Gebinden toben, schickt unser gestrenger Chefredakteur das komplette Team hinaus zu den Weingütern. Gemeinsam sollen wir uns – und damit der Leserschaft von wein.pur – einen Überblick verschaffen: Wie wird der aktuelle Jahrgang?
Der langjährigen Freundin des Kremstales wurden einige Weingüter ebendort zugeteilt. Dabei wurden ausgezeichnete Weine der Sorte Sauvignon Blanc kredenzt, nicht gerade jene Rebe, für die das genannte Gebiet weithin bekannt wäre. Grund genug, dem Ganzen näherzutreten. Eine Blindverkostung wurde eingerichtet, dank der nahezu lückenlosen Beteiligung aller Kremstaler Winzerinnen und Winzer, die einen Blanc Fumé im Programm haben, fast so etwas wie eine Totalerhebung. Sie zeigte ein hohes Durchschnittsniveau und einige besonders feine Weine. Wir haben uns bei jenen, die für die besten Kreszenzen Verantwortung tragen, erkundigt, was es so auf sich hat, mit der dritten Kraft im Kremstal.
Muskat Sylvaner mit „schwieriger Blüte“
In den 1950er-Jahren wurde im Gebiet die seinerzeit noch „Muskat-Sylvaner“ genannte Rebsorte angebaut. Sie war damals bei den Winzern nicht sehr beliebt, weil sie oft durch schwierige Blüte schlechte Erträge gebracht hat. Ertragsmenge war damals noch ein wichtiges Kriterium. Martin Nigl erinnert sich daran, dass es eine zeitlang gebraucht hat, bis sein Wein aus der Feigentraube angenommen wurde: „Wir haben Sauvignon seit 20 Jahren im Sortiment. Es hat gedauert, bis wir uns gegenüber der Steiermark emanzipiert haben. Aber mittlerweile hat es sich herumgesprochen, dass wir auch einen anständigen Sauvignon haben.“
Arthur Toifl, Weinmacher bei Thiery-Weber, Rohrendorf, auf die Frage, was typisch sei am Kremstaler Sauvignon: „Grüner Paprika als Leitaroma.“ Der Palter Winzer Josef Edlinger: „Das Kremstal ist prädestiniert für duftige, schöne Sauvignons. Sie sind sehr gefragt. Wir bauen sie kräftig aus, nicht so grasig wie die meisten Steirer, sondern in die reifere Richtung: Stachelbeeren“.
Wichtige Rolle
Grüner Veltliner dominiert, nicht zuletzt wegen des „Gruner“-Booms in angloamerikanischen Gefilden, die Weißweinstatistik des Gebietes. Tendenz nach wie vor zunehmend. Riesling gelingt bekanntlich im Kremstal ganz besonders gut. Deshalb haben wir uns gefragt, welche Rolle Sauvignon Blanc für das Weinbaugebiet spielt. Bei Thiery-Weber ist er „kein Selbstläufer, wir müssen ihn aktiv verkaufen. Aber das machen wir gerne“. Martin Nigl sieht ihn, mit einem Anteil von etwa 5 % an seinen Weinen, als Ergänzung, die allerdings „sehr gut in die Gegend passt“ und „recht gerne getrunken wird“. Josef Edlinger: „Bei uns hat der Ab-Hof-Verkauf einen hohen Anteil, da ist Sauvignon Blanc sehr wichtig.“ Martin Moser ist vom Schmeckerten überzeugt: „Sauvignon Blanc ist sehr wichtig für uns, längst die drittwichtigste Weißweinsorte. Wenn es noch ein bissl mehr wird, dann hat er den Riesling bei uns bald eingeholt.“
Auch Ernst Fink freut sich über seinen ziemlich großen Muskat-Sylvaner-Kundenstock: „Sie warten Jahr für Jahr darauf, wir sind immer bald ausverkauft.“ Welche Blanc Fumé-Lieblinge haben unsere besten Produzenten ebendieser Sorte aus dem Kremstal, wenn sie einmal von ihren eigenen absehen? Martin Moser erinnert sich an ein Highlight aus dem Hause Mondavi: „Sauvignon Blanc Alte Reben Jahrgang 1998. Der beste in meinem Leben. Hundert Jahre alte Reben. Sauvignon in Reinkultur“. Arthur Toifl, der längere Zeit bei den Antipoden praktiziert hat, schwärmt von den Sauvignons aus jenen Breiten: „Sie haben so eine wunderschöne Frucht, das ist bei uns schwer zu erreichen. Dafür sind unsere Weine mehr terroirbezogen.“ Auch Michael Malat nennt einen Neuseeländer: „Saint Clair Marlborough“, sein Nachbar Josef Edlinger schwärmt ebenfalls für neuseeländische Sauvignons. Allerdings auch für einen Steirer, „vor allem, wenn er eine gewisse Reife hat: Manfred Tements Zieregg“. Genau das ist auch Martin Nigls Lieblings-Sauvignon.
Ein Blick in die Zukunft
So weit Vergangenheit und Gegenwart. Uns interessiert natürlich auch die Zukunft. Jene der Rebsorte im Gebiet und das Reifepotenzial Kremstaler Sauvignons. Josef Edlinger ist vorsichtig: „Grüner boomt, Sauvignon wird vielleicht ein bisschen mehr, aber die beiden Leitsorten werden immer wichtiger.“ Ernst Fink ist sich sicher, dass „das Interesse an Aromasorten steigt.“ Die Traditionsweingüter Nigl und Moser glauben an die Attraktivität dieser Weine, auch für auswärtige Märkte. Martin Nigl: „Wir haben selbst erst vor kurzem nachgesetzt. Sauvignon wird seinen Platz behaupten.“ Martin Moser sieht große Chancen in England. „In London wäre Bedarf vorhanden. Aber dazu bräuchte man andere Mengen, vielleicht wäre es sinnvoll, für den Export eine Kooperation zu schließen: vernünftige Qualität, Menge und Preis. Das würde weggehen, wie warme Semmeln.“
Und wie steht es um das Reifepotenzial eines Kremstaler Sauvignon Blanc? Arthur Toifl ist mit Prognosen zurückhaltend, denn „wir verschließen ihn erst im zweiten Jahr mit Stelvin. Aber sogar die im Stahltank ausgebauten Sauvignons halten sicher fünf Jahre und mehr.“ Josef Edlinger gibt dem Muskat-Sylvaner „deutlich mehr als fünf Jahre. Dann wird er minziger. Ich mag das sehr!“ Martin Nigl: „10 bis 15 Jahre sind kein Problem. Unser 95er ist momentan sehr schön zu trinken.“ Michael Malat greift noch höher: „Extrem hoch. Sauvignon Blanc in Malat-Charakteristik hat ein sehr hohes Reife- und Lagerpotenzial.“
Um das zu beweisen, hat er uns zur Verkostung ein Juwel überlassen, einen 1996er Sauvignon Blanc Reserve. Hier die Beschreibung der Verkoster: „Eine aromatische Fülle der Sonderklasse. Fantastisch gealtert. Honig spielt mit burnt rubber. Goldgelb; intensive Nase nach getrockneten Marillen, Honig, Kletzen…; noch große Frische, fast prickelnd, saftig, Banane, Kokos, macht auf und wird enorm spannend. Tolles Altweinerlebnis. Zeigt das Potenzial der Sorte. Aromatische Fülle, schöne Entwicklung im Glas, beeindruckend!“
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