Kremstal - Tourismus
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Gebietsreportage Charme und Schmalz

Kremstaler sind Persönlichkeiten zum Verlieben. Denn sie haben alles, was ein Wein braucht: Sowohl Finesse und Noblesse, als auch Schmelz und Schmalz. Von Sepp Wejwar (wein.pur September 2006)

Immer dort, wo zwei Welten aufeinander treffen, an den Schnittlinien von Kulturen oder Klimaten entsteht Anregendes. So auch im Fall unseres Untersuchungsgegenstandes: Kremstaler Kreszenzen – hier konzentriert auf die beiden Leitsorten Grüner Veltliner und Riesling.

Pannonisches und kontinentales Klima begegnen einander am Südrand des Waldviertels. Die Mischung der Klimate trägt wesentlich dazu bei, dass die dort gedeihenden Weine ihren unverwechselbaren Charakter gewinnen. Ihre Finesse verdanken sie unter anderem den großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht. Des Abends – und ganz besonders zur Reifezeit der Trauben – strömt aus den weiter nördlich gelegenen Teilen des Waldviertels kühle und zugleich sauerstoffreiche Luft ins Tal der Krems.

„Der Stock muss leiden.“ Es scheint paradox. Aber wirklich ausdrucksvolle Weine werden von Rebstöcken gewonnen, welche sich gegen Mängel zur Wehr setzen mussten. Die ideale Basis dafür geben karge, trockene und/oder sandige Gründe, wie wir sie im Kremstal häufig antreffen. Solche Böden haben aber auch den Vorteil sich rasch zu erwärmen, wodurch die Reife der Trauben auf ganz natürliche Weise beschleunigt wird. Der mächtige Wasserkörper des Donaustromes trägt zur Stabilität der Kleinklimate und zu einer ausreichenden Luftfeuchtigkeit bei, die Herbstnebel leisten das Ihrige: so schenkt die Natur den Kremstaler Weinen pikante Würze, Ausdruck und Aromenvielfalt.

Zwei Böden

Es lebe der feine Unterschied! Dennoch können wir die besten Kremstaler Weine grob in zwei Erscheinungsbilder teilen. Zum ersten jene Vertreter, deren Eleganz durch ein zartes und zugleich lebendiges Bukett ergänzt wird. Was auf ihre Herkunft von den Urgesteins-Verwitterungsböden zurückzuführen ist. Die zweite Richtung gewinnt ihre kraftvolle, harmonische, trinkanimierende und „schmalzige“ Erscheinung vom Löss, der einen guten Teil der Lagen prägt und in manchen Bereichen weithin sichtbar und mit freundlichem Leuchten die Blicke der Besucher anzieht.

Die Kremstaler Winzerinnen und Winzer liefern eine Vielzahl kostenswerter Veltliner und Rieslinge. Die Weine zeichnen sich fast ausnahmslos durch feingliedrige Struktur, Kraft, Schmelz und eine bissfeste, klare Frucht aus. Vom Kremstal kommen und kamen Weine, die bei internationalen Blindverkostungen zur großen Überraschung der Elite des Weltweinjournalismus alles Weiße aus Frankreich, Deutschland, Italien etc. hinter sich gelassen haben.

Einige tausend Jahre Wein

Es wurde bereits sehr früh erkannt, wie gut sich die Gegend um Krems für den Weinbau eignet. Heute wissen wir, dass es gar nicht erst die Römer waren, welche den Wein zu uns gebracht haben. Sie haben ihn allerdings besonders gepflegt und unter Probus – wohl erstmals – gesetzlich reglementiert. Schon die Kelten kelterten Wein im Bereich der Donaustadt Krems! Jahrtausende währt demnach die Tradition des Kremstaler Weinbaues. Die Geschichte des per Gesetz festgelegten Weinbaugebietes „Kremstal“ ist hingegen kurz und wechselvoll (siehe Kasten). Umso wichtiger, dass sich das 2.170 Hektar kleine Weinbaugebiet weiter Schritt für Schritt emanzipiert. Und dass die Kunde von den großen Qualitäten die dort entstehen, in alle Welt hinaus getragen wird.

Große Lagen

Auch wenn das „T-Wort“ wegen zu inflationärer Verwendung hier nicht erneut strapaziert werden soll: die Idee, welche dahinter steckt, ist grundsätzlich zu begrüßen. Daher finden Sie in unserem Rieden-Kasten einige heute besonders wichtigen Lagen. Wir haben uns bei der Auswahl von den Ergebnissen unserer Blindverkostung anregen lassen.

Kremstaler Rieden

Das Weinbaugebiet Kremstal kann nach seiner geologischen und klimatischen Beschaffenheit in drei Bereiche aufgeteilt werden: Das Tal des Kremsflusses und jene Lagen innerhalb der Stadt Krems, die am linken Donau- respektive rechten Kremsufer zu finden sind. Dann die Weinberge östlich der Krems. Sie zieren Teile der Stadt und des Plateaus zwischen Dross und Stratzing und reichen hinaus über Rohrendorf bis nach Gedersdorf. Und schließlich jene südlich der Donau, zwischen dem großen Strom und dem Göttweiger Stiftsberg.

Westliches Kremstal

Der erste Bereich liegt rund um die Weinorte Senftenberg, Imbach, Rehberg, Egelsee und Stein. Er ist von Urgesteinsböden und Terrassenlagen geprägt. Dort haben Bertold Salomon, Franz Proidl, Anton Hagen, und Martin Nigl ihre Lesehöfe. Zu den berühmten Rieden dieses ersten Bereiches zählen Senftenberger Piri, Hochäcker, Steiner Hund, Kremser Wachtberg und Kremser Kögl.

Nordosten

Im zweiten Bereich dominieren Lössböden, die gelegentlich von Schotter und Sandablagerungen durchzogen werden. Das spiegelt sich schon im Namen eines besonders markanten Weinberges wieder: im Gebling, der sich von Krems bis Rohrendorf erstreckt. Dort finden wir die Traditionswinzer Nikolaus Moser (Weingut Sepp Moser) und Martin Moser (Weingut Hermann Moser), Manfred Felsner und Josef Rosenberger. In Stratzing ist der Lieferant der besten Serie, Franz Türk zu Hause. In Gedersdorf die Weingüter Buchegger, Buchecker und Berger. Das Nordkap bildet der Vorspannhof zu Dross, mit Winzerin Silke Mayr und ihrem Herrn Papa Anton Mayr. Bedeutende Rieden des Kremstaler Nordostens heißen Gebling, Wolfsgraben, Marthal, Holzgasse, Sandgrube oder Weinzierlberg.

Südlich der Donau

Bis an den Göttweiger Stiftsberg und den Dunkelsteiner Wald – Urgestein ist dunkel – heran reichen die Kremstaler Rieden am südlichen Donauufer. Die beiden wichtigsten Bodenarten des Gebietes finden wir ebenfalls dort: Löss und Urgestein. Was sich auch in Riedennamen widerspiegelt, vgl. „Steinbühel“. Auch wenn es dieses Mal nicht Gegenstand unserer Untersuchung ist: Der Süden des Weinbaugebietes bietet ausgezeichnete Voraussetzungen für gehaltvolle Rotweine. Neben den heimischen Leitsorten gedeihen Blauburgunder ebenso wie Cabernet Sauvignon. Spannende Weine aus dem Süden liefern Rudolf Fritz, Meinhard Forstreiter, Josef Dockner, Ilse Maier vom Geyerhof und Michael Malat.

Der rechte Weg ins Kremstal

Die Winzer Krems sind die beste Adresse um eine Tour durch das Gebiet zu beginnen. Ihre Erlebniswelt Wein.Sinn gibt eine instruktive Einführung in die Gegend und was sie zu bieten hat. Gönnen Sie sich das spannende Spektakel mit Einblicken in Rieden und Keller samt Kostproben und Geruchskino. Eine weitere Möglichkeit, sich den Weinen des Kremstales zu nähern, besteht darin, die Informationen und Veranstaltungen der Markengemeinschaften zu nutzen, die in Krems und Umgebung ihr nützliches Wesen treiben. Lesen Sie dazu über die wichtigsten Winzervereinigungen des Kremstales. Solche, die ausschließlich aus Winzern des Kremstales bestehen und gebietsübergreifende mit starken Kremstaler Akzenten.

Wer sich dem Wein nähert, will auch verpflegt sein. Andere Listen bieten gute Adressen für den Erwerb von Gourmandisen, für die Einkehr zur Labung und für die Nächtigung im Gebiet. Krems selbst ist eine tausendjährige, kulturell sehr aktive Stadt. Interessante Museen laden zur Ablenkung vom Wein ein. Für die Architektur, zeitgenössisch oder zur Erhaltung der großartigen historischen Bausubstanz, wird dort seit einiger Zeit sehr viel getan. Ein Aufenthalt in der romantischen Stadt mit den engen Gasserln lohnt sich also auch für alle, die sich nicht (nur) mit Wein beschäftigen wollen.

Der menschliche Aspekt

Wer gerne an den Ort des Entstehens pilgert, die Wiege des Weins besuchen und seine Schöpfer kennen lernen will, wird mit dem Kremstal besonders viel Freude haben. Ein herzlicher Empfang ist den Interessenten fast überall sicher. Die Bereitschaft potenzielle Weinkunden mit Kostproben und Informationen zu versorgen ist im Kremstal weit höher als in so mancher anderen Weinregion. Oft reichen ein paar Kilometer Luftlinie aus, um einen deutlichen Unterschied im Umgang der Winzer mit den Weinfreunden zu vermerken. Was hält Sie also noch zu Hause? Fahren Sie ins Kremstal und genießen Sie Rieslinge und Veltliner mit großer Klasse.

Verkostung.Kremstal

Apropos Blindverkostung. Dieses Verfahren ist für uns besonders wichtig. Denn selbst bei größter Bemühung um Objektivität seitens der Verkoster könnten bedeutende Namen oder persönliche Erinnerungen das Ergebnis verfälschen. Danke an die kompetenten und engagierten Verkoster Christian Steinbatz, Facharbeiter im Keller der Winzer Krems, Michael Malat, Winzer aus Palt, Diplom Sommelier Mag. Oliver Krainz, Marketingmanager im Agrarverlag und Mag. Alexander Magrutsch, Chefredakteur wein.pur. Sie sind am 3. und 4. Juli 2006 gemeinsam mit dem Autor dieser Zeilen überaus konzentriert zu Werke gegangen. Unser Dank gilt Winzer Krems, die uns sehr geholfen haben, die Gebietsverkostung perfekt durchzuführen. Es schmerzt uns immer wieder, wenn die enorme Arbeit, welche die Winzer verrichten müssen, bis sie ihr Ergebnis auf Flasche ziehen können, durch Kleinigkeiten mit großer Wirkung zunichte gemacht wird. So finden sich einige Weine renommierter Keller nicht in unserem Verkostungsprotokoll: Die eingereichten Proben konnten – etwa durch Korkprobleme – nicht bewertet werden. Wir haben uns diesmal die beiden Leitsorten Grüner Veltliner und Riesling vorgenommen. Alle Kremstaler Winzer wurden eingeladen, ihre trockenen Veltliner aus dem aktuellen Sortiment und ihre Rieslinge, trocken oder halbtrocken – ebenfalls aktuell im Verkauf – einzusenden. Angekommen sind ausnahmslos Weine des Jahrganges 2005. In etwa einem Jahr werden wir das Gebiet noch einmal durchleuchten, dann allerdings mit etwas anderen Vorgaben, was die Weinauswahl anbetrifft. Insgesamt hatten wir mit vielen Weinen richtig Freude, das Niveau der eingesandten Proben war beachtlich.

Markengemeinschaften.Kremstal / Gemeinschaften des Gebietes

Kremstaler Convent

„Kremstaler Convent“ nennt sich ein markenrechtlich geschützter Qualitätswein aus dem Kremstal, der weder aufgebessert noch entsäuert werden darf. Die Qualität der Weine wird durch eine Kostkommission überprüft. Die Conventwinzer: Aschauer, Dross; Fischer, Senftenberg; Hagen, Rehberg; Hagmann, Senftenberg; Huth, Dross; Judmann, Imbach; Lechner, Egelsee; Vorspannhof Mayr, Dross; Obermayr, Senftenberg; F Proidl, Senftenberg; Schmid, Stratzing; Seif, Senftenberg; Siller, Senftenberg; Türk, Stratzing; Zierlinger, Senftenberg.

Original Kremser Wein

Auf die große Kremser Weinbautradition baut eine junge Generation von Winzern, die gemeinsam und zukunftsorientiert den Weinbau entwickelt. Bei den Weißweinen konzentrieren sie sich auf die Sorten, die auch wir hier fokussieren: Grüner Veltliner und Riesling. Die Mitglieder: Aigner, Forstreiter, Fritz, Hagen, Ilkerl, Judmann, Kremser, Rethaller, Strauss, Tanzer, Tauchner, Zöhrer, www.kremserwein.at

Losgeloesst

Der Löss ist ein in der jüngsten Eiszeit angewehtes äolisches Staubsediment, benannt nach dem römischen Gott des Windes, Äolus. Ostwärts von Krems erstreckt sich eine der größten und spektakulärsten Lössformationen Europas. Die Anwehungshöhe kann bis zu 40 Meter betragen, Gebling und Co. werden nur vom Badischen Kaiserstuhl in Deutschland übertroffen. Die Lösswinzer leben mit diesem Boden: Sie lieben ihn und haben deshalb erst jüngst die Vereinigung Losgelösst gegründet. Dazu gehören die folgenden Weingüter aus Gedersdorf: Berger, Buchecker, Eder, Kalchauser, Mantlerhof, Schachinger; aus Grunddorf: Felsner; aus Rohrendorf: Fehr, Haiderer, Kamleitner, Kitzler, G. Mittelbach, H. Mittelbach, S. Moser, H. Moser, Ossberger, Thiery-Weber; sowie Zimmermann aus Theiß. www.losgeloesst.at

Vinum Circa Montem

Rund um den Göttweiger Stiftsberg versammeln sich interessante Weingüter und Winzerhöfe, die seit einigen Jahren gemeinsam bei Verkostungen auftreten. Mit dabei sind: Dockner, J. Edlinger, K. Edlinger, E. Fink, H. Fink, O. Fink, P. Fink, Geppel, Hackner, Holzheu, Lackinger, Löffler, Malat, Müller, Müller-Grossmann, Pammer, Parzer, Ramoser, Rauscher, Reinhofer, K. Rosenberger, Dr. Unger und Zederbauer.

Gemeinschaften mit Kremstaler Mitgliedern

Österreichische Traditionsweingüter

Dem verbunden „was war“, dem zugewandt, „was wahr ist“. Im Blick das „was werden soll“ – fest entschlossen, die Zukunft des österreichischen Weines entscheidend mitzuprägen. Gegründet 1990, derzeit 20 Mitglieder, darunter 8 Kremstaler Betriebe: Geyerhof, Malat, Mantlerhof, H. Moser, S. Moser, Nigl, Salomon-Undhof, Stadt Krems, Dr. Unger. www.traditionsweingueter.at

VINOVATIVE

Für viele mag der Slogan der Vereinigung VINOVATIVE, "Die besten Weine Österreichs" recht gewagt klingen. Jedoch beweisen lokale und internationale Prämierungen immer wieder, dass die zehn Vinovative Winzer zu den besten heimischen Weinmachern gehören. Kremstaler unter den Vinovativen: Berger, Buchegger, beide Gedersdorf. www.vinovative.at

11 Frauen und ihre Weine

Im Frühjahr 2000 fanden elf österreichische Winzerinnen aus fünf Weinbauregionen zusammen, um ihr Angebot gemeinsam am Markt zu präsentieren. Kremstalerinnen unter ihnen sind: Helma Müller-Grossmann, Petra Unger, Ilse Maier. www.11frauenundihreweine.at

Kremstal.Rieden

Westliches Kremstal

Senftenberger Piri
Die Urgesteinslage zwischen Senftenberg und Imbach gibt den Weinen eine sehr mineralische Note und Nuancen von Stachelbeere und Quitte. Sie ist mit Veltliner und Riesling bestockt.

Hochäcker
Eine Höhenlage, wie bereits der Name verspricht. Die Hochäcker liegen in Imbach, oberhalb der Senftenberger Piri. Die mächtigere Humusauflage lässt die Weine kräftiger ausfallen.

Pfaffenberg
Schon der Name der ursprünglichen Lage und heutigen Großflur zeugt davon, dass diese Gründe durch Jahrhunderte in geistlichem Besitz standen. Die Weingartenlandschaft liegt unmittelbar über der Donau und bietet ein ausgezeichnetes Kleinklima vor allem für gebietstypische Rieslinge.

Grillenparz
Gehört zur Großflur Kremser Pfaffenberg und liegt im Nordwesten von Stein. Südseitig. Besteht aus kristallinem Gestein mit einer Auflage von lehmigem Sand im Westen und Löss im Osten. Ausgezeichnet geeignet für Grüner Veltliner. Der Riesling der dort wächst braucht aufgrund des Urgesteinsbodens länger zur Reife, als etwa jener am Weinzierlberg.

Kögl
Ebenfalls auf der Großflur Kremser Pfaffenberg. Der Name der Riede leitet sich vom lateinischen Wort für Mönchskapuze, cuculla, ab. Terrassenlage, die beinahe jedes Jahr ausgezeichnete Weine bringt. Südseitige Weingärten mit dünner Lössauflage auf kristallinem Schiefer, bestens für feine und klare Rieslinge geeignet.

Wachtberg
Auch ein Teil der Großflur Pfaffenberg. Wurde 1137 mit Wartberg bezeichnet. Nach Südosten ausgerichtete Bodenterrassen. Mittelstarke Humusschichte und überdurchschnittlich hoher Kalkanteil. Hervorragend geeignet für erstklassige Veltliner. (Was auch unsere Verkostung bewiesen hat.)

Nordosten

Gebling
Erstreckt sich von Krems bis Rohrendorf und mag wohl wegen seiner intensiven, von deutlich sichtbaren Lösswänden herrührenden Farbe einst Gelb-ling geheißen haben. Der Gebling gehört zu den mächtigsten Lössablagerungen Europas. In Krems selbst finden wir bestens bekannte Lagen wie die Sandgrube, den Weinzierlberg oder Marthal.

Wolfsgraben
Tiefgründige, fette, lehmige Böden finden wir im 1284 erstmals urkundlich erwähnten Wolfsgraben. Hinter dem martialischen Namen verbirgt sich eine landschaftlich schöne Riede, die auf einem Hochplateau nördlich von Rohrendorf liegt. Dort entstehen fruchtige und zugleich intensive Weine, auch von geschmacksintensiveren Sorten, wie etwa Sauvignon Blanc.

Kremsleithen
Eine Lage am Eingang des Flusstales der großen Krems. Dort wirken noch pannonische Klimaeinflüsse und die regulierende Kraft der Donau. So reifen die Trauben rascher, es entstehen zugängliche Rieslinge mit dem bezaubernden Duft der Marille. Die Kremsleithen ist jedoch überwiegend mit Veltliner bestockt. Auf Urgesteinsgrund lagert Löss, vermischt mit Grobteilen und Sand.

Sandgrube
Ebenfalls eine überaus traditionsreiche Lage. Die „eigentliche“ Riede Sandgrube umfasste ursprünglich 35 Hektar, heute trägt eine Großflur mit der zehnfachen Größe diesen Namen. Zu ihr gehören auch die Rieden Marthal, Frechau und Holzgasse. 1208 wurde die Ried Sandgrube erstmals erwähnt, ihr Herzstück im zwanzigsten Jahrhundert jedoch durch die Schnellstraße Krems–Gföhl in der Mitte auseinander geschnitten. Der östliche Teil gilt als die Veltlinerlage Österreichs schlechthin, die Qualität der Riede leidet aber durch menschliche Eingriffe ins Mikroklima (Verbauung, Verkehr etc.).

Marthal
Schon 1215 urkundlich genannt. Nördlicher Ausläufer der Großflur Kremser Sandgrube. Der Unterboden ist zu einem Teil Löss, zu einem anderen Teil Urgestein. Teilweise in breite Terrassen gegliedert. Schwach humos, kalkhaltig.

Südlich der Donau

Steinbühel
Schon der Name lässt auf den Boden und das Gelände schließen: Urgestein prägt diese Riede. Und „Bühel“, wie „Bichl“ ein alter Name für „Hügel“, verweist auf die einzigartige Terrassenlage. Beides bietet ideale Voraussetzungen für trockene Rieslinge erster Güte. 1341 erstmals urkundlich erwähnt.

Höhlgraben
Traditionsreichste Veltlinerlage am Fuße des Göttweiger Stiftsberges. Die Weingärten innerhalb der Lage unterscheiden sich in ihrem Charakter leicht. Der Boden ist aber durchgehend klassischer Löss. Ausrichtung Süd bis Südwest.

Johannisberg
Südlage in Hollenburg, Urgesteinsverwitterungsboden mit teilweiser Lößauflage, bringt frische und zugleich stoffige Rieslinge.

Frauengrund
Neben Herrentrost eine der bedeutenden Kremser Lagen südlich des großen Stromes. Auf dem recht flachen Terrain im Bereich von Thallern lagert eine mächtige, tiefgründige Lössschicht. Die Riede „Schweren Zapfen“ ist ein Teil der Großlage Frauengrund. Sie verleiht den auf ihnen wachsenden Reben viel Kraft, die sich bis in die Struktur der Weine erhalten lässt.

Auf und Ab. Das gesetzlich festgeschriebene Weinbaugebiet „Kremstal“

Warum Krems nicht zum Weinbaugebiet Wachau gehört, obwohl die tausendjährige Weinbaustadt in der Wachau liegt.

Zwangsaufgestiegen

Trotz aller beeindruckenden historischen Daten und Fakten hinkt die Bekanntheit des Weinbaugebietes Kremstal hinter jener der Wachau zurück. Lokal und vor allem international. Die ganze Welt kennt den Wachauer Riesling, der Kremstaler Riesling muss sich noch immer einen Namen machen, auch wenn die Qualität der Winzer und ihrer Weine im Schnitt gewiss nicht hinter jener des stromaufwärts gelegenen, nachbarlichen Weinbaugebietes liegt. Die Ursache ist vielmehr darin zu suchen, dass sich die Gemeinschaft der Weinbautreibenden im Kremstal noch immer nicht ganz von den Folgen jener „kleinlichen und egoistischen Denkweise“ erholt haben, die letztlich dazu geführt hat, dass das Kremstal überhaupt zur eigenen Denomination zwangsaufgestiegen wurde. Anfang der sechziger Jahre hatten nämlich sowohl Direktor Marek der Weinbauschule, als auch der legendäre Rohrendorfer Lenz Moser, mit aller Deutlichkeit davor gewarnt, dass „Kleinlichkeit fehl am Platze“ sei. Exportorientierte Vermarktung könne nur auf entsprechenden Mengen und Werbemitteln aufgebaut werden. Die bereits damals als Weinbaugebiet international bekannte Wachau sollte den Rahmen bilden und auch die Rieden in den Tälern des Kamp, der Krems und der Traisen umfassen.

„Für Marktgängigkeit nicht von Nachteil …“

Mit der Weinbaugebietsverordnung vom 7. Jänner 1964 wurde Krems einfach von der Wachau abgetrennt. Das Protestschreiben der Stadt erreichte den Landwirtschaftsminister Eduard Hartmann erst am 10. Februar. In seiner Antwort an den Kremser Bürgermeister verwies jener auf die zustimmende Stellungnahme der niederösterreichischen Landesregierung und meinte schließlich: „[…] Die Werbekraft einer Weinbezeichnung wird in erster Linie durch den Träger der Bezeichnung bestimmt, und da glaube ich, wird die Heraushebung des Kremser Weines aus einem geographisch größeren Gebiet nicht für seine Marktgängigkeit von Nachteil sein […]“ Diese Antwort wird die Kremser Winzer wohl wenig getröstet haben. 1971 mussten die Kremser einen weiteren herben Rückschlag einstecken, als die beiden Weinregionen Kremstal und Kamptal zu dem merkwürdigen Gebilde „Kamptal-Donauland“ vereinigt wurden. Dagegen halfen auch Resolutionen des Kremser Gemeinderates und Proteste im Parlament nichts.

Marktoffensive gefordert

Seit 1993 gibt es das Kremstal wieder als eigenes Weinbaugebiet. In Niederösterreich zählen wir zurzeit acht Weinbaugebiete. Wenn es nach dem Streben der Wagramer geht, werden es wohl bald neun sein. Jüngere Bemühungen, die Bezeichnung des Weinbaugebietes Kremstal wieder auf „Krems“ zu ändern – wie es bis 1985 hieß – haben sich offenbar nicht durchgesetzt. Aber was tausende Jahre lang währt ist auch durch politisches Hick Hack und die Kleingeisterei des zwanzigsten Jahrhunderts nicht umzubringen. Wichtig wird sein, auch im Kremstal bald ein paar höchlichst profilierte Leitbetriebe zu haben – Ansätze dazu sind zum Glück erkennbar. Mit Sicherheit bedarf es einer schärfer pointierten Vermarktung. Vielleicht gelingt es, zwei bis drei, klar abgegrenzte und gut kommunizierte Marken zu schaffen, die alle Kremstaler Weinbaubetriebe verwenden dürfen, wenn der zu bezeichnende Wein gewisse Qualitätskriterien erreicht. Vielleicht wird, auch wenn es momentan nicht unbedingt so aussieht, doch noch etwas aus den Überlegungen eines Kremstal DAC.

Das Kremstal auf einen Blick

Gesamtfläche: 2.170 ha
Rebsorten: Grüner Veltliner, Riesling (Leitsorten), Weiters: Roter Veltliner, Weißburgunder, Sauvignon Blanc, Chardonay; Zweigelt, Pinot Noir, Cabernet Sauvignon
Böden: Urgestein, Löss
Klima: Kontinentales Klima, Pannonische Zunge reicht herein.
Rot:Weiß: 25:75
Erlebenswerte Weininformation in Krems:
Weinstadtmuseum
Körnermarkt 14; Öffnung (bis 26.11.2006): Di bis So 10:00 bis 18:00 Uhr, Mo geschlossen. An Feiertagen auch montags geöffnet. Eintritt Euro 4,--
http://www.krems.gv.at/WEINSTADTmuseum

Wein.Sinn
Winzer Krems Sandgrube 13: Besucherrundgang im Rahmen einer Führung. An geöffneten Tagen: 10:00 bis 14:00 Uhr oder gegen Voranmeldung. Eintritt Euro 10,-- www.winzerkrems.at/weinsinn

Information und Gebietsvinothek
Weinstraße Kremstal
Christian Krappel
M +43/676/3304243 (08:00 bis 20:00 Uhr)
E info@krappel.at

Vinothek
Wein.Handlung Noitz im Kloster Und
3500 Krems, Undstraße 6
T +43 2732 70704
www.wein-handlung.at
1. Mai bis 31. Oktober: Mi bis So 11:00 bis 19:00 Uhr
1. November bis 30. April: Di bis Sa 11:00 Uhr bis 19:00 Uhr

Krems – Weinstadt mit großer Geschichte

Gerüche und Geschmäcker lassen sich noch immer nicht in befriedigender Qualität digitalisieren. Werden unsere Weinbeschreibungen also den Genießern des vierten oder fünften Jahrtausends ausreichen, um nachvollziehen zu können, wie etwa Rieslinge, Jahrgang 2005, geduftet und gemundet haben? Derlei Gedanken tauchen auf, wenn vom Kremstal die Rede ist. Angesichts einer so eindrucksvollen Weinbautradition beschleichen uns unweigerlich Fragen wie „wonach wohl der Kremser Wein Jahrgang 1154 geschmeckt haben mag“ – in jenem Jahr als der arabische Geograf Al Idrisi unter den Donaustädten, neben Ulm, Regensburg, Passau und Wien auch Krems (wenn auch in der verballhornten Schreibweise ‚Garmisia’) in seine große silberne Erdscheibe eingravieren ließ. Bereits am 16. August 995, als Krems erstmals in einer Urkunde erwähnt wurde konnte der dortige Weinbau auf langjährige Geschichte zurückblicken.

Es wäre doch überaus spannend, zu kosten, was in diesen Vorzeiten lebende Weinbauern hergestellt haben. Wie jene Weine geschmeckt haben mögen, die so wichtig für die Truppenmoral römischer Soldaten, etwa zur Zeit des Kaisers Probus, um 280, waren. Oder welche Tropfen der Hl. Severin genossen haben mag, für dessen Lebensgeschichte die Weinberge südlich von Krems um 470 wichtig waren.

Schon im Jahr 1300 hat die Weingartenfläche von Krems 1.230 Joch = 703 ha betragen. Mehr als ein Drittel davon war im Besitz auswärtiger Klöster und Kirchengüter. Auch die österreichischen Landesherren hatten hier Weingartenbesitz – seit 1131 ist der Verwalter ihrer Weinberge in Krems nachweisbar.

Aus Bayern und Franken eingewanderte Siedler bemühten sich im Mittelalter um die Weingartenpflege. Im 16. Jahrhundert setzte ein Prozess der Säkularisierung ein, im Zuge dessen auch die Besitzverhältnisse der Weinbauflächen neu geordnet wurden. Es gab bereits damals zu viel Rebfläche: 1548 wurde in einer Weingartenverordnung bei hoher Strafe verboten, neue Weingärten auszusetzen. Zwischen 1560 und etwa 1700 war ein radikaler Klimawandel zu bemerken, man spricht heute von einer „kleinen Eiszeit“. Stein stand 1572 vollständig unter Wasser, im Jänner des darauf folgenden Jahres gab es den berüchtigten Eisstoß auf der Donau. Im achtzehnten Jahrhundert entwickelte sich Krems zu einem beachtlichen Industriestandort. 1703 wurde in Rehberg eine Mühle erbaut, die bis 1851 Papier produzierte. Der Kremser und Wachauer Wein hatte damals keinen besonderen Ruf, da er auch auf Gründen ausgepflanzt worden war, wo die Trauben selbst bei liebevoller Pflege nicht zu voller Reife heranwachsen konnten. Vielleicht entstand gerade deshalb im Krems des 19. Jhdt. Getränkeindustrie abseits des Weines: 1857 wurde eine Dampfbrauerei gebaut, in der Kremser Bier hergestellt wurde. Sie wurde 1904 mit der Wieselburger Brauerei vereinigt. 1874 wurde die erste Kremser Sodawasserfabrik gegründet. 1872 hatte der Anschluss an das Schienennetz der Bahn stattgefunden. 1922 wurde die Zigarrenfabrik der Österreichischen Tabak-Regie ihrer Bestimmung übergeben, seit 1994 residiert dort die Donau-Universität Krems.

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